Große National-Mutterloge

„Zu den drei Weltkugeln“ — gegründet 1740

Große National-Mutterloge

Große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“

Die älteste der drei altpreußischen Großlogen — gegründet 1740 auf Geheiß Friedrichs des Großen — ist bis heute Muttergroßloge der Loge „Westphalia zur Eintracht“.

1738

Friedrich II. wird Freimaurer

Als Kronprinz wird Friedrich II. in Braunschweig in den Freimaurerbund aufgenommen.

1740

Gründung

Gründung der Loge „Aux trois Globes“ in Berlin auf Geheiß des nunmehrigen Königs Friedrich II. (Friedrich der Große).

1744

Umbenennung

Die Loge nimmt den Namen „Große Königliche Mutterloge zu den drei Weltkugeln“ an.

1765

Strikte Observanz

Die Großloge gerät unter den Einfluss der von Freiherrn von Hund gegründeten Strikten Observanz — einem auf das Templertum zurückgeführten Hochgradsystem.

1780

Loslösung

Die Großloge löst sich vom Irrweg der Strikten Observanz; 1782 erfolgt die offizielle Bestätigung auf dem Konvent in Wilhelmsbad.

1796/97

Königliches Protektorat

Unter königlichem Protektorat beginnt mit der Verabschiedung der „Grundverfassung“ eine neue Periode: sieben rituelle Erkenntnisstufen ersetzen die Hochgrade.

1899

Rechtsfähigkeit

Der König von Preußen verleiht den drei altpreußischen Großlogen die Rechte juristischer Personen.

1935

Zwangsauflösung

Unter brutalem Druck der Nationalsozialisten schreiten die verbliebenen Logen am 16. Juni 1935 zur „Selbstauflösung“; Vermögen und Archivalien werden beschlagnahmt.

Gründung

Die Gründung der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ erfolgte am 13. September 1740 auf Geheiß des Königs von Preußen, Friedrich II. (Friedrich der Große), unter dem Namen Loge „Aux trois Globes“ in Berlin.

Frühe Entwicklung und Tochterlogen

Bereits als Kronprinz war Friedrich II. im August 1738 in Braunschweig in den Freimaurerbund aufgenommen worden. Nach der Gründung der Loge „Aux trois Globes“ wurden sehr bald Tochterlogen gestiftet: Meiningen (1741), Frankfurt an der Oder (1741), Breslau (1742), Dresden (1742) und Neuchâtel (1743). Im Jahre 1744 nahm die Loge den Namen „Große Königliche Mutterloge zu den drei Weltkugeln“ an und hieß seit 1772 „Große National-Mutterloge der Preußischen Staaten genannt zu den drei Weltkugeln“.

Die Strikte Observanz

1765 geriet die Großloge unter den Einfluss der sogenannten Strikten Observanz — einem von Freiherrn von Hund gegründeten Hochgradsystem, das auf das Templertum zurückgeführt und von sogenannten „Geheimen Oberen“ geleitet wurde. Dieses System gereichte der Freimaurerei zum Nachteil, da es insbesondere in der nationalsozialistischen Ära die Grundlage für den Kampf gegen den Freimaurerbund darstellte. Die Große Königliche Mutterloge löste sich jedoch bereits 1780 von diesem Irrweg, was 1782 auf dem Konvent der Strikten Observanz in Wilhelmsbad nochmals offiziell bestätigt wurde.

Königliches Protektorat und Grundverfassung

1796 wurde die Großloge mit ihren Tochterlogen unter königliches Protektorat gestellt. 1797 begann mit der Verabschiedung ihrer „Grundverfassung“ eine neue Periode, die zu einer grundsätzlichen Neugestaltung des rituellen Lehrgebäudes führte: Seit dieser Zeit arbeitet die Große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ endgültig nicht mehr in Hochgraden, sondern in sieben rituell festgelegten Erkenntnisstufen, die das freimauerische Geschehen vertiefen sollen.

Wachstum im 19. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert war in Deutschland von der Gründung weiterer Großlogen geprägt, wobei im Wesentlichen noch auf die Zugehörigkeit zu einer christlichen Religionsgemeinschaft bestanden wurde. Die Große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ behielt diese Forderung bis 1964 bei. Bis zum Jahre 1878 hatte sie über 180 Tochterlogen gegründet — 114 Johannis- und 69 Schottenlogen mit insgesamt 13.499 Mitgliedern. 1899 verlieh der König von Preußen den drei altpreußischen Großlogen die Rechte juristischer Personen.

Die Weimarer Zeit

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Logenleben durch verunglümpfende Auseinandersetzungen mit deutsch-völkischen Gruppierungen beeinträchtigt. Gleichzeitig erhielten die Freimaurerlogen einen starken Zuwachs an Interessenten und Suchenden. 1924/25 vereinte die Große National-Mutterloge in 48 freimauerischen Vereinigungen, 169 Johannislogen und 88 Schottenlogen insgesamt 22.896 Freimaurer. Bemerkenswert: Zu diesem Zeitpunkt waren über fünfzig evangelische Geistliche in den Mitgliedslisten verzeichnet.

Die dunkle Zeit

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 war das Logenleben vom Kampf ums Überleben geprägt; in totalitären Regimen ist kein Platz für Geistesfreiheit, Toleranz und Humanität. Auf verschiedenen Wegen wurden Gespräche mit einflussreichen Nationalsozialisten gesucht. Ein Versuch, am 11. April 1933 durch eine Satzungsänderung die Großloge in einen „Nationalen Christlichen Orden Friedrich der Große“ umzubenennen, schlug fehl und wurde keiner Antwort gewürdigt. Mitte des Jahres 1934 — nach Niederschlagung des sogenannten „Röhm-Putsches“ — unterwarfen die Nationalsozialisten die bereits um die Hälfte dezimierten Freimaurer stärksten Repressionen mit der Drohung einer Zwangsauflösung.

So blieb nichts weiter übrig, als dass die verbliebenen Freimaurerlogen am 16. Juni 1935 unter brutalem Druck zur „Selbstauflösung“ schritten. Das Vermögen, die Immobilien, sämtliches Brauchtum, Archivalien und selbst Gegenstände des täglichen Lebens wurden beschlagnahmt. Trotz unentwegter Repressionen blieben die Freimaurersbrüder von 1935 bis 1945 miteinander verbunden und trafen sich regelmäßig — oftmals in Anwesenheit von Beamten der Geheimen Staatspolizei.

Wiederaufbau und die Vereinigten Großlogen von Deutschland

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann ein langer Weg der Wiedergründung — geprägt von rechtlichen Auseinandersetzungen und der schrittweisen Einigung der deutschen Freimaurerei.

Vereinigte Großlogen von Deutschland

1946

Wiedergeburt

Die Große National-Mutterloge wird im amerikanischen Sektor wieder in Arbeit gesetzt.

1955

BGH-Urteil

Der Bundesgerichtshof stellt fest: Der Selbstauflösungsbeschluss von 1935 besaß keinerlei Rechtswirksamkeit — die 3WK besteht seit 1740 ohne Unterbrechung.

1958

VGLvD gegründet

Gründung der Vereinigten Großlogen von Deutschland (VGLvD).

1970

Volle Anerkennung

Änderung der Magna Charta auf dem VGLvD-Konvent: Die 3WK wird als gleichberechtigte Großloge anerkannt.

1989

Mauerfall

Mit dem Fall der Mauer können Freimaurerlogen in der ehemaligen DDR nach über 50 Jahren Verbot wieder in Arbeit gesetzt werden.

Wiederaufbau nach 1945

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fand bereits 1946 das „Wieder in Arbeit setzen“ der Großen National-Mutterloge statt, zunächst beschränkt auf den amerikanischen Sektor. Im damaligen westdeutschen Gebiet bestanden 1949 zwei Großlogen: die „Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland“ sowie die „Vereinigte Großloge der Freimaurer von Deutschland“ — später umbenannt in „Vereinigte Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer“ (AFuAM). Der Letzteren schlossen sich 47 Tochterlogen der 3WK an; nur fünf Tochterlogen verblieben bei ihr.

Es zeichneten sich neue Probleme ab: Die AFuAM vertrat die Ansicht, die Große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ existiere nicht mehr — gestützt auf den Selbstauflösungsbeschluss von 1935. Obwohl im Jahre 1955 durch den Zivilsenat des Bundesgerichtshofes festgestellt worden war, dass dieser Beschluss keinerlei Rechtswirksamkeit besaß und die 3WK demzufolge seit ihrer Gründung 1740 ohne jede Unterbrechung bestanden hat.

Verhältnis zur Vereinigten Großloge von Deutschland

Nach Gründung der Vereinigten Großlogen von Deutschland (VGLvD) im Jahr 1958 wurden durch ein „Brüderliches Abkommen“ 1959 fünfundzwanzig Tochterlogen der Großen National-Mutterloge in die VGLvD einverbrüdert — die 3WK selbst wurde dabei zunächst nicht als vollwertige Großloge einbezogen, sondern lediglich als unbedeutende „Provinzial-Großloge“ eingegliedert. Bis zum Jahre 1970 prägte Uneinigkeit das Verhältnis zwischen AFuAM und der 3WK.

Volle Anerkennung 1970

Eine Einigung konnte erst auf dem Konvent der Vereinigten Großlogen (VGLvD) im Oktober 1970 durch eine Änderung der Magna Charta herbeigeführt werden. Unter Einbeziehung aller Landesgroßlogen und Provinzialgroßlogen — also auch der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ — wurde die Einigung vollzogen: auf der „Basis absoluten gegenseitigen Vertrauens mit dem Ziel, die Einheit der deutschen Freimaurerei immer mehr zu festigen, unbeschadet der Eigenständigkeit der einzelnen in ihnen zusammengeschlossenen Großlogen“ (Hans Hinterleitner, Landesgroßmeister der AFuAM).

Heute

Durch den Fall der Mauer im Jahre 1989 und der damit verbundenen Öffnung der Grenzen konnten die auf dem Gebiet der ehemaligen DDR liegenden Freimaurerlogen wieder in Arbeit gesetzt werden. Ein über 50 Jahre währendes Verbot der Freimaurerei — die DDR hatte das von den NS-Machthabern 1935 ausgesprochene Verbot stillschweigend übernommen — führte dazu, dass die Freimaurerei aus dem Bewusstsein der Bevölkerung verdrängt worden war. Demzufolge ist die Reaktivierung von ehemaligen Freimaurerlogen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR schwierig und mit Problemen verbunden. So konnte es nicht ausbleiben, dass einige Logen nach anfänglicher erfolgreicher Tätigkeit sich wegen zu geringer Mitgliederzahl schließlich als „ruhend“ erklären mussten.

Quelle: Zu den drei Weltkugeln 2024